Historie

Schlepper des Monat Juli 2015

Eicher

1901–1933

Die Wurzeln der Eicher Schlepper geht auf den Vater der Fabrikanten Josef (geb. 1906) und Albert (geb. 1907) Eicher bis ins Jahr 1901 zurück. Der Vater Josef Eicher gründete in Forstern, Landkreis Erding bei München eine Reparaturwerkstatt für landwirtschaftliche Maschinen. 1932 übernahm er die Vertretung für Opel-Automobile.

1934–1942

Den beiden Söhnen Josef und Albert war die Arbeit in der heimischen Landwirtschaft zu anstrengend. Deshalb versuchten sie, die Arbeit einfacher zu gestalten. Da ihr Vater eine Opel-Vertretung hatte, kamen sie auf die Idee, einen Messerbalken, wie er früher von Pferden gezogen wurde, an ein Auto zu bauen. Das war somit die erste Lösung, um es einfacher zu haben. Diese Lösung war aber nicht so befriedigend, also bauten sie 1935 den ersten Dreirad-Schlepper. Bei diesem war das einzelne Vorderrad aber nicht mittig, sondern in einer Flucht mit dem rechten Hinterrad angeordnet.

Danach folgte der erste Schlepper mit einem Deutz-Motor mit 20 PS. Er war für den Verkauf gedacht. Der Motor war mit einem Rahmen verschweißt. In diesen wurde die Hinterachse eingeflanscht. Das Getriebe war an den Motor geflanscht und gab die Kraft über eine Gelenkwelle an die Hinterachse weiter. Der Mähantrieb ging von dort über einen offenen Kettenantrieb. Etwas später kam das Prometheus-Schleppertriebwerk ASS 14 auf den Markt. Damit ließ sich mit einem passenden Motor relativ einfach ein Schlepper in Blockbauweise realisieren. So brachten Josef und Albert Eicher 1936 den ersten echten Eicher-Schlepper auf den Markt. Es war ein Schlepper mit dem Prometheus-Triebwerk und einem Deutz-Motor F2 M 414.

Somit hatte Eicher genau das richtige getan. Die Blockbauweise setzte sich in den 1930er Jahren durch und Eicher hatte damit ein Konzept anzubieten, mit dem sich eine Serienfertigung mit zugekauften Bauteilen leicht realisieren ließ. Ein weiterer Vorteil war, daß dieser sogenannte "Einheitsschlepper" nicht vom "Schell-Plan", der im Krieg den Traktorenherstellern hohe Beschränkungen auferlegte, betroffen war. Auch die im Krieg erforderliche Umstellung auf Holzgasantrieb wurde erleichtert.

1937 war Eicher erstmals als Schlepperhersteller auf der DLG-Ausstellung in München mit zwei Schleppern zu finden, die eine gute Resonanz beim Publikum fanden.

1941 wurde eine offene Handelsgesellschaft (oHG) gegründet. Die Schlepperhersteller firmierten fortan unter "Gebr. Eicher Traktorenbau oHG".

1942–1945

Die Firma wird als Rüstungsbetrieb verpflichtet. 1942 wird daher die Schlepperproduktion mit Motoren für Flüssigkraftstoffe kriegsbedingt eingestellt. Dafür wurde der Bau von Holzgas-Schleppern mit Einheitsgeneratoren aufgenommen. Der 1.000. Schlepper verlässt das Werk in Forstern.

1945–1951

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Traktorenfertigung langsam wieder in Gang. Anfangs baute man den gleichen Typ wie vor dem Krieg (Typ 22 mit Deutz-Motor und ZF-Getriebe). Es wurde aber auch begonnen, eigene Motoren mit Luftkühlung zu bauen. Außerdem hatte man schon während des Krieges luftgekühlte Motoren für BMW gebaut.

Die Gebr. Eicher nutzten diesen Vorteil für sich und bereits der ED 1 hatte die gleichen Merkmale wie die heutigen Eicher-Motoren. Der erste luftgekühlte Eicher-Schlepper bestand aus dem ED 1 mit dem ZF-Triebwerk A 12. Der Schlepper wurde ED 16 genannt (ED für "Eicher Diesel" und "16" für die Motorenleistung). Dieser Schlepper wurde ein voller Erfolg und Eicher dadurch ein Großserienhersteller.

In der Folgezeit von 1949 bis 1951 überschlugen sich die Ereignisse bei der Gebr. Eicher Traktorenbau oHG. Um das Programm abzurunden, kam 1949 der Eicher 30 mit 30 PS hinzu. Außerdem wurde 1949 der 1500. Schlepper ausgeliefert. 1950 wurde der Eicher 22 durch den Eicher 25 ersetzt und der 2000. Schlepper wurde ausgeliefert. 1951 erschien der Eicher L 40 mit 42 PS. Eingebaut war der Deutz-Motor F3 L 514 und das ZF-Triebwerk A 17. Der 5000. Schlepper wurde ausgeliefert. Eicher erwarb das "Famag"-Werk in Dingolfing. Dadurch konnte die Firma in einer viel größeren Tiefe produzieren, da man nun im Besitz einer Gießerei war. Famag hatte bis dahin Anhänger produzierte, was von Eicher vorerst weitergeführt wurde. Die Brüder Eicher hatten aber etwas besonderes mit der Firma vor. Sie wollten eine Produktion für Landmaschinen aufziehen. So entwickelte sich Eicher zu einem Anbieter von Schleppern und Landmaschinen. Daraus entwickelte sich auch der Werbespruch von Eicher: "Für den Bauern ein sicheres Pfand: Schlepper und Geräte aus einer Hand".

Als Höhepunkt dieser ereignisreichen Zeit gelang es Albert Eicher 1951 erstmals, mit einer ungewöhnlichen Aktion das Interesse sowohl des Fachpublikums, als auch der breiten Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Das Eicher-Rad war eine Attraktion, die bis heute nichts von Ihrer Wirkung eingebüßt hat. Erstmals öffentlich gezeigt wurde das Eicher-Rad im Mai 1951 auf der DLG-Ausstellung in Köln. Der Erfolg war sensationell! Jedermann musste das Phänomen des aus eigener Kraft in dem großen Ring fahrenden Eichers gesehen haben. Und wenn man schon mal da war, konnte man sich auch gleich das Eicher-Traktoren-Angebot ansehen ...

Das Eicher-Rad

Für das Eicher-Rad werden zwei kreisförmig gebogene U-Schienen parallel und senkrecht aufgestellt. Diese bilden somit die Fahrbahn. In ihrem Inneren fährt ein Eicher-Schlepper herum, auf der Außenseite übernimmt ein mit dem Traktor verbundenes Gegenfahrwerk zwei wichtige Aufgaben: Einerseits verhindert es natürlich, daß der Schlepper im oberen Bereich des Fahrbahnringes einfach herunterfällt, andererseits wird durch starke Verspannung des Schleppers mit dem Gegenfahrwerk erst der nötige Anpressdruck erzeugt, damit die steilen Stellen links und rechts im Ring im Adhäsionsbetrieb, also allein mit der Reibung zwischen Reifen und Fahrbahn, bewältigt werden können. Am Schlepper waren einige Veränderungen erforderlich. Um zu verhindern, daß bei der Fahrt kopfüber die Batterie ausläuft, wurde auf diese verzichtet und also der Motor von Hand angeworfen. Das nächste Problem war die Treibstoffversorgung, die normalerweise mit Fallkraftstoff erfolgt. Die Lösung bestand in der Verlegung des Tankauslaufs auf etwa halbe Höhe in der Tankseitenwand, wodurch zumindest solange Kraftstoff an der Leitung zur Einspritzpumpe anstand, wie der Tank zu mehr als der Hälfte befüllt war. Darüber hinaus wurde der Tank hermetisch und druckdicht abgeschlossen ausgebildet und das über dem nur teilweise gefüllten Tank befindliche Luftvolumen mittels einer Pumpe unter Druck gesetzt. Diese Druckluft presste den Kraftstoff auch im Überkopfbetrieb zuverlässig in die Einspritzpumpe. Das größte Problem aber stellte die Motorschmierung dar. Auch hier führte Druck zum Ziel: In die Kurbelwelle wurde stirnseitig ein langes Loch gebohrt, das gerade bis zum Ölkanal, der zur Versorgung des Pleuellagers dient, reichte. Durch diese Bohrung wurde Öl aus einem separaten Öltank mit einer zusätzlichen Pumpe unter Druck in das vorhandene Schmierungssystem eingespeist - es wurde also eine Trockensumpfschmierung verwendet.

1952–1957

1953 erhielten Josef und Albert Eicher das Bundesverdienstkreuz am Bande.

1956 baute Eicher den kleinsten Traktor der Firma, den EKL 11/2 mit Deutz-Motor (F1 L 612) und 11 PS. 1954 wurden der 60 PS starke Eicher L 60 und der 20.000. Schlepper gebaut.

Ab 1953 wurden langsam die fremden Motoren durch eigene ersetzt. 1955 kam der erste Mehrzylindermotor (ED 2e) auf den Markt. Er leistete 30 PS und zusammen mit dem ZF A 15 ergab er den ED 30. Die Leistung war wohl etwas zuviel für den kleinen Hubraum (Bohrung 105 mm) und wurde somit auf 26 PS reduziert. Danach bauten man den ED 40 mit einer Bohrung von 115 mm. 1957 kam der erste Eicher-Dreizylinder auf den Markt (ED 3d). Er wurde zusammen mit dem ZF A 34 als ED 50 mit 50 PS und mit dem ZF A 26 als 60 PS starker ED 60 verkauft.

Als die Zahnradfabrik Augsburg ein Triebwerk anbot, das es ermöglichte, einen Allradantrieb mit vier gleich großen Rädern zu bauen, baute Eicher den ED 22 Allrad und den ED 30 Allrad. Diese Schlepper hatten mit den normalen Hinterrad-angetriebenen Schleppern keine Gemeinsamkeiten bis auf den Motor. Durch das Getriebe gab es aber auch einige Nachteile. Der Wendekreis war sehr groß und der Schlepper damit unhandlich. Da es zwischen der Vorder- und Hinterachse kein Längsdifferential gab, war er bei Straßenfahrten sehr unruhig. Zudem war der Allradantrieb permanent. Deshalb wurde der Schlepper bei Eicher auch als Spezialmaschine verkauft (z. B. in steilen Hanglagen, im Wald usw.).

Bereits im Jahre 1953 wurde bei Eicher der erste Geräteträger konstruiert. Er wurde aber erst 1955 in Serie gefertigt und erhielt den Namen "G 16 Kombi". Er wurde auf Basis des EKL 15/II mit dem Hurth-Triebwerk G 85 gebaut. Er bekam aber eine andere Kupplungsglocke, um ihn kürzer zu halten. So war vor dem Schlepper genug Platz für den Geräterahmen, an dem vorne eine ganz normale Vorderachse war. Somit ergab sich ein Radstand von 2550 mm. Wäre bauartbedingt nicht ein großer Einschlag der Vorderräder möglich gewesen, so wäre er sehr unhandlich geworden.

1956 baut Eicher den 30.000. Schlepper. Zudem kommt der kleine Geräteträger "Muli" mit dem 13 PS-Motor ins Programm.

1958–1961

Im Jahr 1958 überarbeitete Eicher fast die gesamte Produktpalette. Nur der kleine LH 12 und die großen ED 50 und ED 60 bleiben unverändert. Die Typen mit 19, 22, 33 und 42 PS wurden völlig neu konstruiert. Die Leistung des ED 13 wurde auf 14 PS und die des ED 26 auf 28 PS angehoben. Dieser Aufwand wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen, wenn man bedenkt, daß bereits Ende 1958 die neue Raubtierserie auf den Markt kam. Eigentlich kann man sagen, daß bei allen Schleppern die Gangzahl erhöht wurde und alle wurden mit der sogenannten Frontporta ausgestattet, die den Anbau von Frontgeräten ermöglichte.

Da in den Sonderkulturen und im Weinbau nicht mit den "normalen" Schleppern gearbeitet werden konnte, baute Eicher 1960 den ersten Schmalspurschlepper ES 200 "Puma".

Der ES 200 wurde aus dem EDK 2-Motor aus dem "Tiger" mit 28 PS und dem Triebwerk ZF A 5/6 gebaut. Dieses Triebwerk war zwar aus dem 19 PS starken "Panther" bekannt, das machte aber trotz der höheren Motorleistung nichts, da der "Puma" nur ca. 1000 kg wog und eine kleinere Bereifung hatte. Problematisch war aber, alle erforderlichen Komponenten auf dem kleinere Rahmen unterzubringen. Der ES 200 war nur ca. 1 Meter breit. Es glückte aber und aufgrund der bekannten Bauteile aus den Standardschleppern ließ sich auch eine hohe Lebensdauer erwarten.

1962–1967

Die Raubtierserie wird überarbeitet und nach oben ausgebaut. Die Veränderungen lagen hauptsächlich darin, daß die Scheinwerfer an der Motorhaube befestigt wurden und alle Eicher über 25 PS eine Regelhydraulik erhielten.

Die zweite Neuerung kam von ZF. ZF bot eine Allradachse an, über die kleinere Vorderräder angetrieben werden konnten. Eicher baute zunächst die Allradversion EA 600 des Mammut II und 1963 folgte der Königstiger Allrad. Der Mammut Allrad war der leistungsstärkste Schlepper, bis die ersten Sechszylindermotoren gebaut wurden.

Der Komfort auf den Ackerschleppern war nicht so gut, da diese kaum gefedert waren. Aus diesem Grund suchte Eicher nach einer Möglichkeit, diese besser zu federn. Er überlegte weiter, wie man Transportarbeiten bequemer machen kann und kam auf die Idee, ein Fahrzeug für den Straßentransport zu entwickeln. Dieses Fahrzeug sollte eine Ladepritsche und ein vorn angeordnetes Fahrerhaus haben. Der erste Farm-Express wurde auf Basis des ED 29 gebaut. Über der Vorderachse wurde ein Fahrerhaus von Tempo angebracht und dahinter eine kurze Ladepritsche. Da die ursprüngliche Federungsart aber zu schlecht war, wurde bald darauf ein Rahmen gebaut, an dem zwei blattgefederte Starrachsen angebracht waren. Der Farm-Express wurde erstmals 1962 auf der DLG-Ausstellung in München präsentiert.

Große Aufmerksamkeit erregte 1964 ein völlig neuartiger Pflugroboter, der Agrirobot. Dieser Pflug war in der Lage, vollkommen ohne "Besatzung" riesige Felder ganz alleine umzupflügen. Die Idee war dabei, zuerst an beiden Seiten des Feldes eine Querfurche anzubringen. Danach sollte der Agrirobot das ganze Feld automatisch und störungsfrei pflügen. Angetrieben wurde dieser automatische Pflug von dem Motor EDK 3 mit 40 PS. Gesteuert wurde das Gefährt durch Taster an beiden Enden. Diese stellten sicher, daß der Pflug immer in der Furche lief und am Rand des Ackers die Richtung wechselte. Leider war damals die finanzielle Situation des Unternehmens so schlecht, daß die Idee nicht über die Prototypen hinaus weiterentwickelt werden konnte. Überhaupt: Der Ideenreichtum in diesem Unternehmen kannte anscheinend keine Grenzen. Wäre die Entwicklungsabteilung der Eicherwerke in einem finanzstarken Betrieb angesiedelt gewesen, wäre es durchaus denkbar, daß noch viele gute und nützliche Produkte hätten entwickelt werden können.

1964 wurde der 100.000. Eicher Schlepper, ein Königstiger, ausgeliefert.

1966 wird der Geräteträger "Unisuper" in drei Versionen mit Leistungen von 25, 30 und 40 PS angeboten. Schon ab 1963 experimentierte Eicher mit stufenlosem hydrostatischem Fahrantrieb für Traktoren. Das taten auch andere Hersteller, aber Eicher brachte 1966 tatsächlich mit dem Mammut HR (3001 bzw. 3002) als erster und einziger deutscher Hersteller ein solches Fahrzeug serienreif auf den Markt. Dennoch blieb hier der Werbeeffekt bedeutender als der kommerzielle Erfolg, wurden doch von allen Versionen des hydrostatisch angetriebenen Schleppers (inkl. der Nachfolgetypen 3019/3020) in den nächsten fünf Jahren nicht einmal 100 Stück verkauft. Das lag in erster Linie an dem hohen Preis in Verbindung mit der wegen der hohen Verluste im hydrostatischen Antrieb geringen Zugleistung. Wie sehr sich aber Eicher trotzdem mit diesen Traktoren im Bewusstsein der Menschen als Pionier des stufenlosen Schlepperantriebs festgesetzt hat, erkennt man daran, dass auch bei Erscheinen der ersten stufenlosen Traktorenantriebe der Neuzeit (die nicht zuletzt aufgrund der Eicher-Erfahrungen der 1960er Jahre auf ein anderes Konzept setzen) immer wieder der Name Eicher fiel - nach über 30 Jahren!

1968–1969

Im Jahr 1968 erneuerte Eicher die Standardtraktoren grundlegend. Es blieb zwar im wesentlichen bei der alten Technik und den Raubtiernamen aber Eicher brachte sehr grundlegende Neuerungen. Das wichtigste war die äußere Gestaltung. Noch nie hatte ein Schlepperhersteller einen Designer beauftragt, die Form festzulegen. Des weiteren gab es eine neue Vorderachse, die einzelradgefedert war. Der Vorderachsbock wurde nun gegossen. Aus ergonomischen Gesichtspunkten und wegen der ansprechenden Form wurde eine Seitenschaltung eingebaut. Auch eine Duplokupplung wurde wieder gebaut, allerdings hatte diese ein anderes Funktionsschema wie die erste.

Die Baureihe 3000 wurde in Etappen eingeführt. Es war auch nicht mehr zu überhören, daß die Landwirte stärkere Schlepper wollten. Deshalb baute Eicher seine ersten Sechszylinder-Schlepper, den Wotan I mit 80 PS und den Wotan II mit 95 PS.

1968 übernahm Eicher auch noch eine zweite Produktionsstätte, das "Isaria Drillmaschinen Werk" in Pilsting. Somit nahm Eicher die Produktion der Drillmaschinen, die schon immer auf die Geräteträger gebaut wurden, in die eigenen Hände.

1970–1979

ZF stellte die Triebwerksbaureihe A 200 ein und somit fehlte Eicher der Hauptlieferant für Schleppertriebwerke. Nach langem Hin und Her fand man schließlich in Massey Ferguson (MF) einen Partner, der die dementsprechenden Triebwerke liefern konnte. Im Gegenzug wollte MF-Schmalspurschlepper und Sechszylinderschlepper im MF-Gewand kaufen. Somit war der Bund zwischen MF und Eicher bereits 1970 geschlossen. Die bisherige Gebr. Eicher Traktorenbau oHG wurde in eine GmbH umgewandelt, an der MF mit 30 % beteiligt war. Da MF aber immer mehr Mittel für Eicher zur Verfügung stellte, wuchs der Anteil von MF an Eicher stetig an, bis im Jahr 1973 99,7 % von Eicher MF gehörten.

Für die beiden Firmengründer Josef und Albert Eicher war das Jahr 1972 sicherlich eines der bittersten, mußten sie doch die Firmenleitung aus der Hand geben. Im Aufsichtsrat hatten sie dann nur mehr repräsentative Aufgaben.

Als die Produktion in das neue Werk nach Landau an der Isar verlagert wurde, veränderten sich auch die Eicher-Schlepper. An die Stelle der luftgekühlten Eicher-Motoren traten wassergekühlte Perkins-Motoren. Somit wurde aus den Eicher-Schleppern "blaue Ferguson". Mitte 1973 wurde die neue Serie "74" vorgestellt. Die meisten Schlepper, die in dieser Zeit von Eicher oder MF auf den Markt kamen, unterschieden sich nur in Kleinigkeiten wie dem Äußeren oder dem Vorderachsbock.

1980–1984

Anfang der 80er Jahre waren die Verkaufszahlen bei Eicher soweit zurückgegangen, dass MF sich entschloss, sich von Eicher zu trennen und die Produktion stillzulegen. Das lag mit daran, daß der weltweite Vertrieb nicht zustande kam. Zudem geriet MF selbst in Bedrängnis und konnte es sich nicht mehr leisten, Eicher über Wasser zu halten.

Daß Eicher nicht stillgelegt wurde, kam daher, daß sich Vikram Lal, der Eigentümer des Tochterunternehmens Eicher Goodearth India, entschloss, der "Mutterfirma" unter die Arme zu greifen. Er übernahm 1982 mindestens 91,5 % des Unternehmens "Eicher Traktoren- und Landmaschinenwerk GmbH" und pachtete von MF die Anlagen in Landau. Da Lal wieder original Eicher verkaufen wollte, wurden neuentwickelte Eicher-EDL-Motoren eingebaut und Eicher war wieder "typisch Eicher" mit luftgekühlten Motoren. Aufgrund der hohen Verpflichtungen aus dem Pachtvertrag gegenüber MF ist aber eigentlich schon klar, daß Eicher um jeden Preis Umsatz machen musste, um die Pacht zu bezahlen. Es dauerte nicht lange und Eicher musste im Mai 1984 Insolvenz anmelden. Eine Auffanggesellschaft wurde gegründet, bestehend aus 90 Eicher-Händlern und einer schweizerischen Finanzgruppe.

1985–1990

1985 wurde eine neue Eicher GmbH gegründet, die Ersatzteilversorgung sollte damit sichergestellt werden. Daneben sollte das Standard-Schlepperprogramm einschließlich Schmalspurschlepper weitergeführt werden. Im ersten Anlauf schien das auch zu gelingen. Man baute 1986 den 120.000. Schlepper.

1988 übernahm der Hamburger Reeder Ulrich Harms die Eicher GmbH und wollte das Unternehmen von Grund auf sanieren.

Ein letztes Mal sorgte Eicher auf der Agritechnica 1989 für Aufsehen, als ein 108 PS starker Schlepper mit nach Plänen des Motorenkonstrukteurs Ludwig Elsbett modifiziertem Dreizylindermotor ausgestellt wurde. Es war die erste Anwendung des Elsbett-Motors in einem Traktor. Ziele waren dabei die Pflanzenöltauglichkeit des direkteinspritzenden Motors sowie die Verbesserung seines Wirkungsgrads. Optimistisch wurde vom Motor ohne Kühlung gesprochen, und tatsächlich hatte der Elsbett-Eicher weder Luft- noch Wasserkühlung, dafür aber einen gewaltigen Ölkühler, der den gesamten Bauraum einnahm, den man mit der Verwendung des Dreizylinders anstelle des serienmäßigen Sechszylindermotors gewonnen hatte. Spätere Messungen ergaben einen Wirkungsgrad etwa gleich mit den besten herkömmlichen Dieselmotoren. Aber das war erst nach der Insolvenz der Eicher GmbH im März 1992 und der Elsbett-Eicher wurde nicht mehr zur Serienreife weiterentwickelt.

1991–1998

Ab 1991 war der Untergang des Baus von Eicher-Traktoren nicht mehr aufzuhalten. Nachdem bereits 1991 die Produktion von Standardschleppern in Landau eingestellt wurde, wurden die Aufträge für den Bau von Motoren für die Schmalspurschlepper nach Cunewalde weitergegeben. Trotzdem wurde 1991 der 162.000. Eicher-Schlepper zugelassen.

1992 mussten bereits einige Fertigungseinrichtungen verkauft werden. Die Eicher GmbH meldete erneut Insolvenz an und die Eicher Landmaschinen Vertriebs GmbH wurde gegründet. Bis 1998 wurden dann noch die Eicher Schmalspurtraktoren bei der Motoren- und Fahrzeugtechnik GmbH in Cunewalde gebaut. Danach wurde die Produktion von Eicher-Schleppern in Deutschland eingestellt.

1999–heute

Bis heute werden in Indien von der Eicher Goodearth Ltd., die mit dem früheren deutschen Unternehmen aber nur noch den Namen gemeinsam hat, nicht nur Traktoren (derzeitige Produktion ca. 24.000 Stück pro Jahr), sondern auch LKW und Motorräder (Royal Enfield) gefertigt. Eicher Goodearth Ltd. ist einer der größten Fahrzeugproduzenten des Subkontinents.

Basisdaten
Hersteller/Marke: Eicher
Modellreihe: Raubtierreihe
Modell: 3002 HR A Mammut
Bauweise: Blockbauweise
Produktionszeitraum: 1966–1969
Stückzahl: 56
Maße
Eigengewicht: 2875 kg
Länge: 3620 mm
Breite: 1900 mm
Höhe: 2350 mm
Radstand: 2396 mm
Bodenfreiheit: 420 mm
Spurweite: 1500 mm
Wenderadius ohne Lenkbremse: 4600 mm
Standardbereifung: vorne: 10,5-20 Extra Spezial
hinten: 14-30, 11-36 AS
Motor
Nennleistung: 54–62 PS
Nenndrehzahl: 2000/min
Zylinderanzahl: 4
Hubraum: 3927 cm³
Kraftstoff: Diesel
Kühlsystem: Luftkühlung
Antrieb
Antriebstyp:  
Getriebe:  
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h

Der 3002 Mammut HR A ist ein in den 1960er Jahren gebauter Eicher-Schlepper. Er besitzt ein hydrostatisches Getriebe. Er ist jedoch nicht sehr erfolgreich gewesen.

 

Bild und Text : Traktorenlexikon Wikibooks


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